This post has been edited 1 times, last edit by "yamamoto" (Jul 15th 2007, 5:52pm)
Interessant ist die Tatsache, dass "nur" Shotokan die Kihon/Kata so tief läuft. Alle anderen Stilrichtungen legen meines Wissens mehr Wert auf Leichtfüssigkeit/Tempo als auf Stabilität und Kraft

- die Sache mit dem Schwerpunkt ist eigentlich auch nur Hebelgesetz) (das ist für die meisten Karateka in den ersten Jahren nicht ersichtlich, schlicht weils ihnen keiner sagt....)


Quoted
.....dass das alles und vor allem tiefe "Stände" (ab hier spare ich mir die Anführungszeichen wieder) nur eine kurze Momentaufnahme einer Bewegung sind.
Moin zusammen![]()
So bitte nicht erschrecken jetzt kommt meine Sicht der Dinge![]()
Ich teile meine Gedanken zum Thema "tiefer Stand" einfach mal auf.
Zunächst warum gibts die tiefen Stände und wo kommen diese her?
Richtig ist, dass wie hier geschrieben in den "alten" Schriften von Funakoshi & Co die Stände wesentlich höher waren als sie das in heutigen Lehrschriften sind. Richtig ist auch, dass mit Yoshitaka Funakoshi, der ein härteres Kraft- und Kampfbetonteres Shotokan betrieben hat, und mit Nakayama unabhängig voneinander (Nakayama war primär Schüler von Gichin, nicht von Yoshitaka und in der Zeit, als Yoshitaka "Chef" war garnicht in Japan, sondern in China) zwei Leute (bzw. eigentlich Gruppen um diese beiden Herren) tiefere Stellungen eingeführt wurden.
Aber jetzt zu sagen "tiefe Stellungen sind nur neumodischer Kram" ist auch nicht ganz richtig. Alte Kung-Fu Stile hatten schon tiefe Stellungen lange bevor ein dem heutigen Karate ähnliches System zu existieren begann.
Betrachtet man sich den Sinn der tiefen Stände genauer, so kommen mir drei mögliche Anwendungen in den Sinn:
1. Kondition, Kräftigung und Dehnung der Muskeln (offensichtlich)
2. Vorbereiten, um solche Stellungen auch im realen Kampf für kurze Zeit einnehmen zu können (Ausweichbewegung nach hinten geht ohne "vorderes Bein geht zurück" wesentlich schneller durch ein Absenken des Körperschwerpunktes nach hinten und damit ein Hineingleiten in eine tiefe Stellung, ein langer Angriff nach vorne kann durch eine tiefe Stellung noch ein paar cm gutmachen und den ausweichenden Gegner doch noch erwischen) (nicht ganz offensichtlich, aber wohl klar)
3. Als gezieltes Mittel, um "Karate-Untypische" Techniken einzusetzen. Wurftechniken etc. funktionieren umso besser, umso tiefer mein Schwerpunkt und umso höher der meines Gegners ist. Guckt man sich z.B. die Kata Jion an, so lassen sich darin wenn man denn will eine Art Hüftwürfe finden, die aus einer Drehung aus Zenkutsu-Dachi in Kokutsu-Dachi ausgeführt werden. Das klappt in einem tiefen Kokutsu-Dachi besser, weil erstens der gegnerische Schwerpunkt über meinen eigenen liegt und zweitens ich durch den tiefen und damit langen Stand nen guten Hebel am Gegner habe (Groß ist des Schlossers Kraft, wenn er mit dem Hebel schafft- die Sache mit dem Schwerpunkt ist eigentlich auch nur Hebelgesetz) (das ist für die meisten Karateka in den ersten Jahren nicht ersichtlich, schlicht weils ihnen keiner sagt....)
Abschließend läßt sich dazu also schonmal sagen, dass tiefe Stände durchaus einen Sinn haben können, aber hohe Stände sind ebenso wichtig.
Jetzt zu den Gefahren mit tiefen Ständen etc. Oft wird erzählt "Karate hat meine Knie kaputt gemacht" - glaube ich auch, aber nicht die tiefen Stände oder die Techniken in die Luft haben das gemacht, sondern die falsche Trainingsweise. Die 3 am häufigsten gemachten Fehler in dieser Richtung nach meiner Beobachtung:
1. Techniken schnappen in die Gelenke (ist wohl klar das das nicht gut ist, hab ich durch den Stockkampf aber selbst grade wieder)
2. Gelenke werden in Richtungen belastet, in die sich nicht belastet werden sollten. Beispiel Knie wird nach rechts/links belastet und nicht nur nach vorne/hinten. Oft sieht man das bei Mae-Geri, das hintere Bein dreht sich 45-90° ein (soweit ok) aber dann erfolgt eine nach vorne gerichtete Kraft auf das nun zur Seite gerichtete Gelenk ... und das kann auf Dauer nicht funktionieren.
3. Schmerzen werden ignoriert. Damit mein ich nicht Blaue Flecken, Blasen an den Füßen oder Muskelkater (aber beim letzteren fängts z.T. schon an): Wenn es weh tut, ist das meistens ein Zeichen dafür, dass was falsch war. Ein Ignorieren dieses vom Körper und der Natur wahrscheinlich mit einen Hintergedanken vorgesehenen Warnsystems muß immer eine bewußte Entscheidung sein - und wenn irgendwo dauerhaft Probleme sind, dann sollte man der Sache früh auf den Grund gehen.
Also auch hier: Es gibt Gefahren, diese sollte man kennen und dann klappt das auch mit dem tiefen Stand.
So...ich denke...ich bin fertig![]()
Hoffe ich konnte obwohl es viel war weiterhelfen
Gruss
scorpius
hazelrah1968@aol.com
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