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scorpius

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1

Sunday, June 21st 2009, 4:51pm

Bunkai Heian Yondan

Einen wunderschönen guten Morgen zusammen :D


Bunkai ist meiner Meinung nach immer wieder ein spannendes Thema :D

Gerade die erste Technik der Heian Yondan hats mir heute angetan, denn diese Technik macht so wie sie in der Kata ausgeführt erst dann Sinn, wenn man sie als "Gesundheitsübungen" sieht.
Als anwendbare Technik macht sie so wie in der Kata ausgeführt also keinen Sinn....außer man sieht sie als verdrehte Technik ;)
Soll heißen, dass sie erst dann ausführbar ist, wenn sie anstatt von unten nach oben, von oben nach unten durchgeführt wird.

Wie seht ihr das?
Kennt ihr noch andere Anwendungen für diese Technik?
Und kennt ihr noch andere Beispiele für "verdrehte" Techniken in einer Kata?


Sonnige Grüsse

scorpius
si vis pacem para bellum

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2

Sunday, June 28th 2009, 11:18pm

Hmm...^^

Also erst mal Hallo scorpius

Bunkai ist in der Tat ein seeeeeeeehr :ss13: seeeeehr wichtiges Thema

Heian Yondan ist auch von ihrer Bunkai (wie du schon vermutest ) eine vielschichtige Anwendungs-Form !

Grade hier am Anfang..gibt es (also ich kenne mal 3 )Formen :

die Erste ist: wenn dich jemand mit Oi-Zuki Yodan angreift und du blockst mit Yodan Uchi-Uke offene Hand und wirfst ihn bei der Folge

die Zweite ist :wenn die wieder jemand mit Oi-Zuki (diesmal Shudan) angreift und du blockst ihn wie folgt in der Kata und schleuderst quasie seinen Arm nach oben sodas er dich nich mehr angreifen kann und du ohne Probleme eine Ippon Technik ausführen kannst

die Dritte ist: wenn die jemand greift und du machst ebenfalls wie folgt den Ablauf der Kata ,hebelst dich raus und gibst ihm ebenfalls noch eine Ippon Technik an den Hals oder sonst wo ;-)

Sooo...

Für viele Kleinigkeiten gibt es in sachen Anwenung enorm viele Verlaufsformen .Alleine schon bei der Drehung in der Yondan ..du kannst den als Angriff ,Wurf oder sonst was sehen.. echt der Wahnsinn^^

Ich hoffe dies hat die etwas geholfen
"Oberstes Ziel des Karate

ist weder Sieg noch Niederlage, sondern die Vervollkommnung des Charakters
des Übenden."

Gichin Funakoshi


Der beste Kampf ist der, der nie gekämpft wird

scorpius

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3

Saturday, July 25th 2009, 7:20pm

Hallo Giryu,

vielen Dank für deine Antwort - schön zu lesen, dass sich noch mehr Leute damit beschäftigen.
Kannst Du die von dir kurz skizzierten Anwendungen noch etwas genauer erläutern - bislang seh ich da nämlich noch keinen wirklichen Bezug zur Kata, denn für diese drei Anwendungen wäre eine ganz einfache Technik wie Age-Uke oder Soto-Uke doch mindestens genauso gut, wenn nicht besser, und der Sinn von Jodan Shuto Uchi Uke mit Shuto Age Uke als Kombinationstechnik ergibt sich für mich daraus nicht. Ebenso, warum die Technik langsam ausgeführt wird und warum zuerst von unten ausgeholt wird. Auch die Hebeltechnik kann ich in der Kata nicht wiederfinden. Um meine Anforderung an Bunkai vieleicht noch etwas zu präzisieren: Ich suche nach Anwendungen, die durch genau die in der Kata gezeigte Technik optimal ausführbar sind - wo also die Kataelement so oder ähnlich vorkommen wie in der Kata. Eine Anwendung, die im "normalen Leben" wenn es nicht um Kata-Bunkai geht niemand so machen würde, weil die Technik zu kompliziert oder einfach nicht als Abwehr oder Angriff in dieser Situation bzw. für diesen Angriff geeignet ist, sehe ich nicht als (sinnvolles) Bunkai.

Beispiel: Nijushiho, die Sequenz Handrücken"block" Chudan, ZK vor Empi-Uchi Jodan, Gedan Gyaku-Tsuki, Suri-Ashi zurück mit Gedan Barrai. Eine Anwendung, die mir jemand verkaufen wollte: Chudan-Tsuki mit den Handrücken blocken, dann vor mit Empi-Uchi unters Kinn, Tsuki hinterher, dabei die Empi-Hand "zum Schutz" in Jodan-Soto-Uke und anschließend greift der Gegner nochmal mit Mae-Geri an und den wehrt man mit dem Gedan-Barrai ab. Ich halte diese Deutung für Unsinn weil:
a) Soweit weg wie die Hand beim Handrücken"block" ist brauch ich nicht abzuwehren, außerdem wäre ein Uchi-Uke wesentlich effizienter und sicherer.
b) warum sollte ich mich danach ohne Vorbereitung so nahe an den Gegner heranbegeben, dass ich einen Empi gegen sein Kinn ansetzen kann, warum nehm ich da nicht eher nen Tsuki oder bereite den Empi wenigstens vor
c) Hand zum Schutz ... dann würd ich sie vors Gesicht halten, aber nicht daneben in der Hoffnung dass genau da jemand angreift (die komplette Rechte Seite ist nämlich jetzt offen und dem Gegner zugedreht)
d) Wenn Empi und Gedan-Tsuki gesessen haben macht der andere jetzt eher keinen Mae-Geri - wenn doch, warum wehr ich den nur ab und kümmer mich dann nicht mehr um den Angreifer und dreh im anschließend sogar den Rücken zu?
Besser Lösung, die realitätsnäher und trotzdem noch nahe an der Kata ist:
Der Handrückenblock ist eigentlich ein Uchi-Uke der nen Griff oder Schlag zum Kopf/Hals o.ä. wegwischt und danach den Gegner im Nacken festhält und in mich reinzieht. Jetzt steht der Kerl, da er mir vorher ja fast am Kopf war, ziemlich nah bei mir, ich geh also nen kurzen Schritt nach vorne und geb ihm den Empi mit wobei meine linke Hand seinen Kopf festhält damit der auch nicht wegläuft... Der Soto-Uke packt den Gegner am Kopf (Haare, Ohren, Nacken mit der Armbeuge...) und zieht in noch immer zu mir ran, der linke Arm macht nen "Upppercut" in den Magen. Dadurch beugt sich mein Gegenüber mit dem Kopf noch weiter nach vorne, wahlweise kann ich im zurückgleiten durch ziehen noch etwas nachhelfen. Der Gedan-Barrai ist dann ein Schlag zur Schläfe, wenn der Kopf von meinem Gegenüber sich mittlerweile ungefähr auf meiner Bauchhöhe befindet. Danach ist der Käse gegessen.

Schade ist, dass sich für die höheren Kata mehrere Leute Gedanken ums Bunkai auch in der Tiefe und abseits vom "3 mal vor mit Age-Uke = drei Tsukis von einem Gegner abwehren, der zurück geht"-Bunkai machen. Für die Heian-Katas interessieren sich die Leute aber anscheinend nicht so sehr, da läufts weil es ja "Grundkatas" sind, auch auf (unrealistisches) "Grund-Bunkai" hinaus - das finde ich sehr schade (Für die Tekki-Reihe interessiert sich dann eh keiner mehr :( ).


Sonnige Grüße

Scorpius
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Jörg B.

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4

Tuesday, July 28th 2009, 10:43pm

Servus Scorpius,

Zustimmung zu Deiner Interpretation dieser Sequenz und auch zu Deiner Meinung zu den Heian-Bunkai.

Zu 'meiner' Zeit (ist schon ein paar Tage her, das ich Karate gemacht hab) war Bunkai längst nicht so verbreitet wie heute...und irgendwie auch nicht so bekloppt, wie manche Bunkai-Interpretationen, die einem heute serviert werden.
Kann aber auch an meinem Lehrer gelegen haben. ;)
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mindcrime

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Saturday, February 12th 2011, 11:04am

Ich bitte gleich mal um Entschuldigung, dass ich hier mit meinem ersten Post einen uralten Thread reanimiere. Aber ich bin wegen Scorpi hier gelandet und drum antworte ich doch mal hierauf:

Diese Interpretationen der Bewegung sind "geklaut", in unserem Dojo sind wir ziemlich auf einer Linie mit der Sichtweise von Iain Abernethy.

Eine Interpretation ist als Abwehr gegen einen Schwinger, wobei der Shuto Age Uke als Block (oder auch nur als passiver Schutz) gesehen wird und der Shuto Uchi als gleichzeitiger Angriff gegen den Hals / seitlichen Kiefer.

Eine Alternative ist, dass der Shuto Age Uke gleichzeitig zum seitlichen Rausgehen eine Gerade ableitet und greift, der Shuto Uchi setzt dann als Armstreckhebel an. Diese zweite Interpretation liegt mir persönlich besser als die erste, da das Greifen die offenen Hände begründet und sich die Technik dadurch deutlicher zur Anfangssequenz der Heian Nidan (Pinan Shodan) abgrenzt. Außerdem kann dann die nächste Technik als die Verriegelung des Armstreckhebels angesehen werden.

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scorpius

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6

Saturday, February 12th 2011, 2:02pm

Halli hallo mindcrime =)

Als erstes freut es mich ungemein das du hier bist :zz03: :zz03:
Zweitens brauchst du dich für das beantwoten eines älteren Beitrages nicht zu entschuldigen :)
Und drittens Danke für den tollen Beitrag :ss19:

Hab die von dir beschriebene Sequenz gerade mal durchgespielt und es funktioniert wunderbar :)
Vielen Dank dafür :)
Jedoch ist das auch eine sinnvolle Anwendung der Technik die von oben nach unten durchgeführt wird und nicht von unten nach oben.

Nachher im Training probier ich die von dir beschriebene Technik nochmal gezielt aus :ss13:

Sonnige Grüsse

scorpius
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Siu Loong

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7

Tuesday, February 15th 2011, 10:28am

Hallo Mindcrime und herzlich willkommen auf martial-world.com



Ich bitte gleich mal um Entschuldigung, dass ich hier mit meinem ersten Post einen uralten Thread reanimiere. Aber ich bin wegen Scorpi hier gelandet und drum antworte ich doch mal hierauf:


Wenn man was wichtiges zum thema zusagen hat, dann passt es doch :)
Hau in die tasten :)

yamamoto

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8

Wednesday, February 23rd 2011, 10:46pm

Hallo,

bis auf die von "mindcrime" angedeutete gleichzeitige Anwendung beider Hände in der ersten Technik ist das bisher beschriebene nur dann anwendbar, wenn man einen konditionierten Gegner hat. Sprich: Es funktioniert bei dem Trainingspartner, der wirklich nur einen Tsuki macht und dann steif stehen bleibt.

Die Frage nach "dem" oder wenigstens "einem sinnvollen" Bunkai für die Heian Yondan (bzw. Bassai-Dai in dem anderen Thread) ist an sich schon falsch gestellt. Es gibt nicht "das Bunkai" eine Kata. Es gibt Andeutungen, Hilfslinien und bestenfalls noch alchimistische Beschreibungen dessen, was an "innerer Arbeit" in den Kata passiert. Gelehrt werden Prinzipien, die sich entsprechend individuell anwenden lassen.

Das "Prinzip", das die erste Technik in der Heian Yondan liefert, ist zum einen, daß die hintere Hand annimmt und die vordere kontert. Das ist nichts Sensationelles. Aber was passiert mit der Drehung zur anderen Seite? Da steht ganz sicher kein Gegner, der darauf wartet, daß ich mich umdrehe. Was hat also das Umdrehen mit der Technik davor zu tun? etc. etc. etc.

"Bunkai" (分解) ist nicht der richtige Begriff für die Anwendung der Kata. Es gibt auch kein "Omote-" und "Ura-Bunkai". Das haben Leute erfunden, die sich nicht sicher sind, was sie da eigentlich machen. (Und ich habe diese Leute auf ihren Lehrgängen besucht.) Die korrekte Bezeichnung ist entweder "Henka-Kumite" (変化組手) oder Ôyô-Kumite (応用組手), je nachdem wie eng man sich an den Ablauf der Kata halten möchte.

"Ippon-Techniken" sind für den Wettkampf und in der Realität sicher nicht praktikabel :gig

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